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Thüringen hat ein Geflügel-Problem: Stallpflicht für Hühner, Gänse und Enten angeordnet

GOTHA/GERA – Die Geflügelpest – auch Vogelgrippe breitet sich in Nordthüringen aus. Als Konsequenz daraus haben die Landkreise Gothe und Gera eine Stallpflicht angeordnete. Kontakt zu Wildvögeln soll unbedingt vermieden werden.

Die Stadt Gera teilte mit, dass die Tiere in geschlossenen Ställen oder abgedeckten Gehegen gehalten werden müssen. Die Vogelgrippe H5N8 ist für die Tiere in der Regel tödlich. Auch der Landkreis Gotha hat inzwischen eine Stallpflicht für Hausgeflügel angeordnet.




Covid-19: 20 Todesfälle im Seniorenheim „Weimarblick“

WEIMAR – Es ist ein Albtraum, aber er ist real: Im Seniorenheim „Weimarblick“ sind bis gestern Nachmittag 20 der insgesamt 94 alten Menschen an oder mit dem Coronavirus verstorben. Betroffen sind auch Mitarbeiter der Einrichtung. 16 wurden positiv auf das Covid-19-Virus getestet. Seit gestern hat die Stadtverwaltung deshalb strenge Besuchsregeln angeordnet. So ist für jeden der im Haus lebenden Senioren pro Tag nur ein Besucher für maximal eine Stunde erlaubt. Für den Zugang zum Haus ist ein negativer Schnelltest erforderlich

 

 




7.562 zur Zeit „aktiv Erkrankte“ an Covid-19 in Thüringen

ERFURT – In ganz Thüringen haben die Gesundheitsämter gestern 493 Neuinfektionen mit dem Coronavirus gemeldet. Weitere 374 Menschen gelten als genesen. Die Zahl der aktiv erkrankten erhöhte sich um 101 auf 7.562.

18 Menschen starben an oder mit dem Virus, die Zahl der Verstorbenen stieg damit auf insgesamt 469. Die Durchschnitts-Inzidenz in Thüringen stieg von 210 auf 213.

Die Zahl der auf Intensivstationen behandelten Corona-Patienten erhöhte sich von 89 auf 90. Beatmet werden müssen 41 Corona-Patienten – das sind zwei mehr als am Montag.




Keine Corona-Sonderregeln über Weihnachten: Thüringen bleibt hart

ERFURT – Harte Linie im Freistaat auch über Weihnachten und Silvester. Nach Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hat das nun auch die rot-rot-grüne Landesregierung vereinbart, die Zahl der erlaubten Teilnehmer von Familientreffen über Weihnachten nicht auf zehn zu erhöhen. Das teilte heute Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) mit und verwies dabei auf die hohen Infektionszahlen in Thüringen. In die Planungen für das weitere Vorgehen würden auch die Städte und Gemeinden einbezogen werden.

So sollen sich auch über die Feiertage maximal fünf Personen aus zwei Haushalten treffen dürfen. Kinder unter 14 Jahren ausgenommen. Allerdings werde es keine Polizeikontrollen in Privatwohnungen geben, versicherte die Ministerin.

Damit folgt die Landesregierung ihrem Ministerpräsidenten. Ramelow hatte schon am Wochenende ausgeschlossen, dass es Lockerungen geben könnte. In der kommenden Woche werden sich Gesundheitsausschuss des Landtags und das Landeskabinett mit der Situation beschäftigen.




Deutschlands Corona-Hotspot liegt in Südthüringen: Alle Schulen und Kitas dicht

HILDBURGHAUSEN – Deutschland Hotspot in Sachen Corona liegt in Südthüringen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) verzeichnet in den vergangenen sieben Tagen 396 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. In keinem anderen Landkreis in Deutschland wird diese Zahl erreicht. Landrat Thomas Müller (CDU) befürchtet: „Wir werden jetzt Richtung 500 marschieren.“ Der Landkreis und die Landesregierung haben deshalb festgelegt, dass ab Mittwoch alle Schulen und kitas geschlossen werden.

 




Wie ernst nimmt das Rathaus das Virus?

von KARL HAGEN*

ERFURT – „Der Wahrscheinlichkeit nach könnte ich Träger des Virus sein. Es interessiert in Erfurt nur niemanden.“ Das ist die nüchterne Feststellung eines Erfurter Angestellten, der sich derzeit in selbst auferlegter Quarantäne befindet, weil mit einer Klärung durch das Erfurter Gesundheitsamt nicht zu rechnen ist. Das ist passiert: Kürzlich kam ich mit einer Bekannten in Kontakt, die wiederum mit einem positiv getesteten Angehörigen in einem Erfurter Pflegeheim Kontakt hatte. Diese Bekannte hat sich richtigerweise umgehend beim Gesundheitsamt der Stadt Erfurt gemeldet. Ein Test wurde abgelehnt, obwohl genau das die einzig richtige Konsequenz gewesen wäre. Begründung: Die mögliche Infektion war schon fünf Tage vorher, wenn es keine Symptome gibt, lohne es nicht. Zusammengefasst: Wenn man möglicherweise infiziert ist und zum Amt geht, blitzt man ab.

Die Gesundheitsbehörden der Stadt Erfurt bemühen sich, den Eindruck zu erwecken, dass sie handlungsfähig sind. Jedenfalls sollen Gehwegmarkierungen mit dem Hinweis zum Tragen von Masken konsequenten Aktionismus demonstrieren. Es gibt ja in der Erfurter Kommunalpolitik auch Stimmen, die eine Maskenpflicht für die gesamte Innenstadt fordern. Genau so etwas löst aber bei vielen Bürgern Verdruss und Hysterie aus.

Warum handeln also die Erfurter Gesundheitsbehörden in einem konkreten und offensichtlichen Einzelfall nicht umgehend und konsequent? Warum stecken sie stattdessen so viel Kraft ausschließlich in pauschale Regularien? Hatten die Behörden seit dem Frühjahr nicht genug Zeit, ausreichende Testmöglichkeiten zu beschaffen, dass ihnen jetzt die Tests ausgehen? Der Virus verbreitet sich in der Landeshauptstadt weiter, weil die Gesundheitsbehörde keine Tests ausgibt. Wer sich nicht selbst in Quarantäne begibt, könnte das Virus weiter verbreiten. Dann wiederum verschärfen die Behörden wegen steigender Fallzahlen die Maßnahmen. Dort wo konkreter Handlungsbedarf besteht und sinnvoll ist, geschieht nichts.

*Name von der Redaktion geändert




Beigeordneter Knoblich: Verlängerung des Lockdowns ist „sehr wahrscheinlich“

ERFURT – „Angesichts des hohen Inzidenzwertes ist eine Verlängerung der Allgemeinverfügung über den 30. November hinaus sehr wahrscheinlich.“ Ein Satz wie eine Ohrfeige für die Gastronomen und Veranstalter in der Landeshauptstadt. Beigeordneter Dr. Tobias Knoblich macht insbesondere den Veranstaltern kleiner Adventsmärkte in Erfurt wenig Hoffnung. Der große traditionelle Erfurter Weihnachtsmarkt ist wegen Corona sowieso schon abgesagt.

Der Beigeordnete empfiehlt den Betreibern der Adventsmärkte, nicht ins Risiko zu gehen, indem sie beispielsweise Warenbestellungen auslösen. Auch Einzelstände oder einen Glühweinausschank von Gaststätten bewertet er kritisch. „Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich nur an die Vernunft jedes Einzelnen appellieren“, so Knoblich. „Aktuell geht es darum, die persönlichen Kontakte auf das notwendige Minimum zu reduzieren. Beim Glühweintrinken geht es aber vor allem um Geselligkeit.“

Die Stadtverwaltung gebe dennoch ihr Bestes, um weihnachtliche Stimmung aufkommen zu lassen, versichert Knoblich. „Die Installation der Weihnachtsbeleuchtung ist fast abgeschlossen, auch den Märchenwald wollen wir aufstellen, der Baum für den Domplatz ist bereits ausgewählt.“ Die Rotfichte kommt aus dem Heilbad Heiligenstadt. Die Stadt hat außerdem in 300 Hütten investiert, denn hier besteht Aufholbedarf, was die Ausstattung der vermieteten Buden betrifft. Aktuell wird eine Musterhütte angefertigt. „Das macht Mut für das nächste Jahr“, so Knoblich.




Im Weimarer Land wieder alles normal

THÜRINGEN – Das Bildungsministerium hat die Schulen im Weimarer Land ab heute wieder in den Regelbetrieb mit vorbeugenden Infektionsschutz versetzt. Grund ist das stark zurückgegangene Infektionsgeschehen in den vergangenen Tagen. Der Unterricht und die Betreuung können wieder ohne coronabedingte Einschränkungen stattfinden. Gegebenenfalls angeordnete Quarantänemaßnahmen des örtlichen Gesundheitsamts gelten allerdings weiter.

„Ich bedanke mich herzlich bei den Schulen für die schnelle Umsetzung der erhöhten Schutzmaßnahmen und bei Eltern und Schülern für das Verständnis für daraus resultierende Einschränkungen“, sagt Bildungsminister Helmut Holter (Linke). „Dem Landkreis Weimarer Land danke ich für die Anstrengungen, die zur schnellen Eindämmung der Infektionen in der Region geführt haben. Wir werden das Infektionsgeschehen in allen Regionen Thüringens weiter ständig im Blick behalten und reagieren, wenn es nötig wird.“

Wegen zuvor stark angestiegener Infektionszahlen im Landkreis Weimarer Land hatte das Bildungsministerium am 17. September 2020 zum ersten Mal für einen gesamten Landkreis als Vorsichtsmaßnahme den Wechsel aller Schulen in Stufe Gelb laut Thüringer Stufenplan angeordnet, gültig ab 21. September. Angeordnet worden war der erhöhte Schutz für Personen mit Risikomerkmalen.




Coronavirus: Infizierte Thüringer klagen gegen Wintersport-Magnet Ischgl (Ö.)

ERFURT – 30 Thüringer Bürger werden sich einer Schadenersatzklage des österreichischen Verbraucherschutzvereins gegen die Gemeinde Ischgl anschließen. Das berichtet der MDR.

Ein Wiener Verbraucherschutzanwalt hatte am 24. März Anzeige bei der Staatsanwaltschaft in Innsbruck gestellt. Sein Vorwurf: Die Behörden hätten zu spät vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus gewarnt. Während Ende Februar in Innsbruck nach einem positiven Testergebnis einer Kellnerin gleich ein Hotel geschlossen worden sei, sei anderswo nichts passiert. In den Tourismusgebieten habe man den Ski- und Barbetrieb zunächst weiterlaufen lassen. So sei der auch bei Deutschen beliebte Urlaubsort ein „Hotspot für die Verbreitung des Coronavirus in Europa geworden“.

Dem Klageaufruf des österreichischen Vereins haben sich inzwischen 5.500 Touristen aus 40 Ländern angeschlossen.




COVID-19: Abiturprüfungen in Thüringen werden verschoben

ERFURT – Das Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport hat entschieden, die Termine für die diesjährigen Abiturprüfungen zu verschieben. Ursprünglich war für den 30. April 2020 der Beginn der Abiturprüfungen vorgesehen.

Dazu Bildungsminister Helmut Holter (Die Linke): „Die Schließung der Schulen wegen der Covid-19-Pandemie hat vor allem die 6.688 diesjährigen Abiturprüflinge in Thüringen in eine sehr schwierige Lage gebracht. Wenn die Schulen am 20. April, wie es derzeit der Stand der Dinge ist, wieder öffnen, dann hätte bereits am 30. April die erste Prüfung angestanden. Das können und wollen wir in dieser außerordentlichen Situation niemandem zumuten. Thüringen wird nach besten Kräften sicherstellen, dass jeder Schüler, der in diesem Jahr an den Schulen eine Prüfung abzulegen hat, eine angemessene Vorbereitungszeit in der Schule erhält.“

Das Ministerium wird in Gesprächen mit den Gesundheitsbehörden und der Kultusministerkonferenz rechtzeitig die neuen Termine für die Abiturprüfungen bekanntgeben. „Es bringt jedoch angesichts der aktuellen Lage nichts, jetzt schon einen festen neuen Termin festzulegen, den wir später eventuell noch einmal verschieben müssten“, so Minister Helmut Holter.