15.000 Besucher an den ersten drei Buga-Tagen in Erfurt

Die Bundesgartenschau in Erfurt ist an ihren ersten drei Tagen von 15.000 Menschen besucht worden.

Bis zu 90 Prozent von ihnen seien Dauerkarteninhaber aus der Region Erfurt gewesen, sagte Buga-Geschäftsführerin Kathrin Weiß. Mit der Besucherzahl sei sie angesichts der langen Ungewissheit, ob und unter welchen Bedingungen die Gartenschau in der Corona-Pandemie überhaupt öffnen dürfe, sehr zufrieden.

Die Buga mit ihren zwei Standorten auf der ehemaligen Festung Petersberg und dem Egapark war am Freitag eröffnet worden.

Massive Kritik von Besuchern gab es am Wochenende wegen mangelnder Corona-Testmöglichkeiten in Erfurt. An Teststellen in der Stadt war der Zulauf so groß, dass zahlreiche Menschen wieder weggeschickt wurden. So blieb ihnen der Buga-Besuch verwehrt.

Nach den seit Samstag geltenden verschärften Anti-Corona-Regeln ist wegen der hohen Zahl von Corona-Neuinfektionen ein negativer Schnelltest für Buga-Gäste erforderlich.




Gedenken an Befreiung des Konzentrationslagers Buchwenwald live im Internet

ERFURT – Die Thüringer Landesregierung, der Thüringer Landtag und die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau Dora werden am 11. April gemeinsam an den 76. Jahrestag der Befreiung der Konzentrationslager Buchenwald und Mittelbau-Dora. Nach einer Gedenkveranstaltung im Deutschen Nationaltheater wird es eine Kranzniederlegung in der Gedenkstätte Buchenwald geben, an der neben dem Ministerpräsidenten und der Landtagspräsidentin auch der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier teilnehmen wird. Die Gedenkreden, musikalisches Gedenken, Zeugnis und Vermächtnis von Éva Fahidi-Pusztai, Budapest (Überlebende der Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald) aus dem Deutschen Nationaltheater Weimar sowie die Gedenkreden, Videobotschaften (u.a. von Naftali Fürst, Vorsitzender des Beirates ehemaliger Häftlinge des KZ Buchenwald an der Stiftung) und die Kranzniederlegungen in Buchenwald werden für Sie live übertragen.

Der Livestream wird zur Verfügung gestellt in den Sprachen: Deutsch (Original), Deutsch mit Untertiteln, Englisch, Französisch, Polnisch, Russisch und Hebräisch.

11. April 2021
11:00 Uhr – Beginn der Übertragung aus dem DNT Weimar
13:00 Uhr – Beginn der Übertragung aus Buchenwald




In Eisenach soll ein Produktionshaus für die freie Künstlerszene entstehen

EISENACH – Die bekannte Kulturmanagerin Stellwerk, Weimar, , die schon das Theater “stellwerk” in Weimar aufgebaut hat, arbeitet nach MDR-Informationen an einem neuen ehrgeizigen Projekt. Die beim Thüringer Theaterverband beschäftigt Schremb beschäftigt sich intensiv mit den Planungen für ein Produktionshaus der freien Theaterszene in Eisenach.Damit will sie Künstlern Strukturen – heißt Arbeitsräume, Arbeitszeiten und Handlungsräume – organisieren. So wolle sie der  “freien Szene Gewicht, Sichtbarkeit und Stärkung” verleihen.

Baukonzept und inhaltliches Konzept lägen in der Staatskanzlei vor und warteten auf Entscheidungen. Das Produktionshaus solle später dem Landestheater Eisenach angegliedert werden.




Erfurts OB bleibt optimistisch: Bundesgartenschau startet wie geplant!

ERFURT – Der Lockdown wird verschärft und verlängert – doch Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) glaubt an den geplanten Start der Bundesgartenschau (BuGa) am 23. April. Im Egapark und auf dem Petersberg könnten Besucher problemlos Abstand halten. Bausewein hat schon vor einiger Zeit gefordert, Zoos und Botanische Gärten vom Lockdown auszunehmen.

Bis zum 18. April wird Deutschland jetzt weiter unter Lockdown-Bedingungen gefahren, am 12. berät die verfassungsrechtlich nicht als Entscheidungsorgan vorgesehene Gesprächsrunde von Bundeskanzlerin Merkel und den Ministerpräsidenten dann, wie es weitergeht. Und viele Bürger haben die Hoffnung verloren, dass sie dann ihr normales Leben zurückbekommen werden.

Schon im Jahr 2007 hatte es eine Bundesgartenschau in Gera gegeben. Und Erfurt hat sich eine Menge vorgenommen. Allein in die Umgestaltung von Egapark, Petersberg und den Flächen im Norden wurden rund 140 Millionen Euro gesteckt. Das Wüsten- und Tropen-Haus Danakil, das als Aushängeschild der Buga dienen soll, kostet 21,4 Millionen Euro. Die Tageskarten für Erwachsene kosten 25 Euro. Kinder bis sieben Jahren haben freien Eintritt. Für Besucher zwischen 8 und 15 Jahren werden 2,50 Euro kassiert.

OB Bausewein geht davon aus, dass die BuGa zunächst vornehmlich Besucher aus der Umgebung und Tagestouristen aus ganz Thüringen finden wird. Später – die BuGa wird bis Ende Oktober geöffnet sein – hofft man dann auf Übernachtungsgäste aus ganz Deutschland. Wenn die wöchentliche Merkel-Runde das zulässt.

 




Das Bachfest wird wie geplant ab dem 26. August stattfinden

GOTHA – In Gotha und Ohrdruf hat man die zuversicht nicht verloren. So laufen die Vorbereitungen zum Bachfest 2021 auf Hochtouren. Vom  26. August bis zum 05. September steht Thüringen ganz im Zeichen der Familie Bach. Ein musikalischer Zweig ihres Stammbaums hat seinen Ursprung im heutigen Landkreis Gotha, was ihn mit seiner Residenzstadt und den umliegenden Orten als Austragungsort für das 95. Bachfest der Neuen Bachgesellschaft prädestiniert. Einen weiteren Anlass bietet der 300. Todestag von Johann Christoph Bach, dem älteren Bruder von Johann Sebastian Bach, welcher in Ohrdruf gelebt hat.

Im Jahr 2021 wird es gleich drei Schwerpunkte des Bachfestes geben.

Erster Schwerpunkt mit dem Titel „Bach in seiner Zeit – In Thüringen Zuhause“ wird sich um die Familie Bach in Thüringen und ihre ihre Wurzeln in umliegenden Städten und Dörfern wie Arnstadt, Eisenach, Wechmar und natürlich Ohrdruf sein. Die thematische Ausrichtung reicht hierbei bis zu Veit Bach, dem Begründer des musikalischen Zweiges der Familie in Wechmar.

Als zweiten Schwerpunkt des Bachfestes wird die Johannes-Passion gleich in drei verschiedenen Versionen erklingen.

Den dritten Schwerpunkt macht die Familie Bach für jedermann zugänglich, darauf verweist auch der Titel „Bach modern interpretiert – Bach für jedermann“. Die hierbei dargebotenen Angebote sollen sowohl Bach-Kennern als auch Bach-Laien, einschließlich Kindern, einen leichten Zugang zum Thema ermöglichen und nähern sich diesem von vielen verschiedenen Blickwinkeln, die nicht alleine auf musikalische Darbietungen bezogen sind. So können die Besucher des Bachfestes beispielsweise einem Kinderstück lauschen, ein Bürgerschauspiel verfolgen oder an Orgel- und Fahrrad-Touren im Thüringer Land teilnehmen. Zudem wird das jährliche Gothaer Barockfest am 28. und 29. August 2021 Bach zur Zeit des Barock auf Schloss Friedenstein authentisch erlebbar machen.




Gera sagt Märchenmarkt ab

GERA – Immer mehr Städte in Thüringen sagen ihre traditionellen Weihnachtsmärkte ab. Nach Erfurt und Weimar hat jetzt die Stadt Gera mitgeteilt, dass es aufgrund der Corona-Krise in diesem Jahr keinen Märchenmarkt geben wird.

 




Kinderkostüme verboten von spaßbefreiten Volkserziehern…

von KLAUS KELLE

ERFURT – Rosenmontag und am Faschingsdienstag sollen Kinder nicht in Verkleidung in den Kindergarten kommen. Das hat der Erfurter Kindergarten „Campus- Kinderland“ jetzt den Eltern mitgeteilt. Ein Faschingsscherz? Nein, die offenbar völlig spaßbefreiten Erzieher schreiben: Bitte verkleiden Sie ihr Kind (…)  nicht. Mitgebrachte Faschingskostüme bleiben an beiden Tagen im Fach des Kindes.“

Man fürchte eine Überforderung der Kinder, wenn sie verkleidet Spaß haben, teilte das Studierendenwerk Thüringen mit und fügte hinzu, auch viele Erwachsende könnten mit Karneval nichts anfangen. Und das stimmt. Mehrere Jahre habe ich in Köln gearbeitet, und man kann sich in so einer Hochburg des katholischen Frohsinns den Jecken nicht gänzlich entziehen, es ist -anders als in Erfurt – allgegenwärtig. Selbst, wenn gerade keine Karnevalszeit ist. Aber ich persönlich brauche das nicht und war jedesmal froh, wenn es vorbei ist.

Aber ich habe auch erlebt, wie viel Spaß unsere Kinder und ihre Schulfreunde am Verkleiden hatten, am Trubel, an ihren Indianer-, Astronauten- und Polizisten-Kostümen. Es ist einfach ein großer Spaß für die Kleinen, einmal im Jahr Prinzessin Jasmin oder Bob der Baumeister zu sein. Spaß? Ein Wort, das den Umgestaltern unserer Gesellschaft ein Graus ist.

Kinder hätten Angst, wenn sie verkleidete Jecken sähen, behauptet das Studierendenwerk und mahnt zu “kultursensiblem Umgang”. Kultursensibel sollten vor allen Dingen wir sein, zu deren Kultur ein Volksfest wie der Karneval seit Jahrhunderten dazu gehört.

Wir erleben solche Volkserziehung auch an anderen Orten in Deutschland, wo politisch interessierte Kreise daran arbeiten, die Traditionen unseres Landes und unserer Kultur zu schleifen, zu beschädigen und möglichst abzuschaffen. Denken Sie an die St. Martins-Umzüge, die als “Lichterfeste” herabgewürdigt werden, an Weihnachtsmärkte, die nur noch “Winterfeste” sein sollen.

Das sind nicht ein paar Durchgeknallte, die hier am Werk sind. Das ist eine durchtriebene Strategie, unser Land nachhaltig zu verändern, seine Konturen zu verwischen und letztlich die “Lufthoheit über den Kinderbetten” durchzusetzen, wie auch in diesem Fall. Lassen Sie sich das nicht gefallen. Dies ist ein freies Land. Wenn Kinder im Kostüm feiern wollen, dann haben sie jedes Recht dazu. Und die Eltern sollten sich energisch wehren!




Julia Bruns liest Thüringen-Krimi

ERFURT – Die Thüringer Kommissare, die Polizisten Friedhelm Bernsen und Timo Kohlschuetter, sind zurück und bekommen es diesmal mit leidenschaftlichen Hobby-Waidbauern, DDR-Nostalgikern und kessen Tanzlehrerinnen zu tun. Denn anstatt mit ihren Landsleuten feucht-fröhlich den Thüringentag zu begehen, verdirbt ihnen eine Leiche die Feierlichkeiten…

Hervorragend recherchiert, mit intelligentem Witz und viel Fingerspitzengefühl gelingt es Erfolgsautorin Julia Bruns (Foto) im Buch „Thüringentod“, einen höchst spannenden und facettenreichen Kriminalfall mit den Sorgen und Nöten der ehemaligen DDR-Bürger zur Wendezeit zu verknüpfen.

Lesung Julia Bruns am Donnerstag, 7. November um 18:30 Uhr in der Stadt- und Regionalbibliothek Erfurt am Domplatz 1. Karten gibt es für fünf Euro an der Abendkasse und in der Buchhandlung Marktstraße 5.




30 Jahre Maueröffnung: Feier in der Margarethenkirche

GOTHA – In der Margarethenkirche wird am kommenden Sonntag um 18 Uhr an die Maueröffnung vor 30 Jahren gedacht. 150 Sänger und Musiker begleiten die Feststunde, zu der die evangelische Kirchengemeinde einlädt. Mit dabei sind der Bachchor, die Lebensgeister und die Thüringen-Philharmonie Gotha-Eisenach.

Mit Mendelssohns Hymne „Hör mein Bitten“ für Sopran, Chor und Orchester und dem Symphonischen Psalm „König David“ von  Honegger werden die Künstler an den historischen Gedanktag 9. November erinnern.

Eintrittskarten gibt es ab 16 Euro www.ticketshop-thueringen.de und in der Vorverkaufsstelle an Marktstraße 24 in Gotha.




Meine Begegnung mit Paul-Josef Raue

von KLAUS KELLE

ERFURT – Paul-Josef Raue ist tot. Der frühere Chefredakteur der Thüringer Allgemeinen (bis August 2015) starb vor wenigen Tagen im Alter von 68 Jahren. Ein Kind des Ruhrgebiets (geboren in Castrop-Rauxel), ein begnadeter Blattmacher, der nicht nur für seine Kreativität und seinen Hunger nach Themen bekannt war, sondern in seiner Zeit in Magdeburg und Erfurt auch ein großer Freund, ja Bewunderer der Menschen im Osten Deutschlands wurde, die als Einzige auf deutschem Boden eine friedliche Revolution erfolgreich hinbekommen haben.

Wir trafen uns irgendwann – es muss wohl 2014 gewesen sein – in einem italienischen Restaurant am Domplatz. Raue suchte einen neuen Chef vom Dienst für die TA, in der ein Kulturkampf tobte, wie ich in vier spannenden und unterhalsamen Stunden zwischen Pasta und Tiramisu erfuhr. Ein Top-Manager der Funke-Gruppe (WAZ) hatte gehört, dass Raue einen Mann mit Erfahrung suchte, der “Blatt machen kann” und Erfahrung bei Medien hatte, die nach neuen Ideen für Erfolg auf dem Lesermarkt suchten. Der Mann in Essen schlug mich vor, und so fuhr ich halt nach Erfurt, wo ich nur ein einziges Mal vorher gewesen war. Im Volkskammerwahlkampf 1990 berichtete ich für den Berliner Privatsender Hundert,6 genau von diese Domplatz über die erste große Wahlkundgebung der Allianz für Deutschland mit dem Hauptredner und Bundeskanzler Helmut Kohl von der CDU. 150.000 Menschen drängten sich hier an diesem Tag, ein Meer von schwarz-rot-goldenen Fahnen wehte, revolutionäre Stimmung war mit Händen zu greifen, Patriotismus pur. Ich notierte ein paar Sätze, hielt das Mikrofon meines Aufnahmegerätes in den Himmel, um die mitreißende Atmosphäre für ein paar Minuten einzufangen. Dann packte ich alles in meine Umhängetasche und ließ mich mitreissen von dieser Menge, die genug hatte vom SED-Staat und die nach Freiheit hungerte. Ich jubelte mit, und hatte feuchte Augen als am Schluss “Einigkeit und Recht und Freiheit” angestimmt wurde. Unabhängiger und überparteilicher Reporter? Scheiss drauf! Ich sang laut mit und hatte Gänsehaut.

All das erzählte ich Raue, und wir tauschten unsere Erinnerungen als Wessis an der Spitze einstiger Ostmedien aus. Er war u. a. Chefredakteur der Braunschweiger Zeitung dann Volksstimme in Magdeburg und der Thüringer Allgemeinen. Ich war Chefredakteur 1991 bis 1993 beim privatisierten Berliner Rundfunk. Es waren wilde Zeiten für uns beide, aber historische und lehrreiche Zeiten. An meinem ersten Arbeitstag beim Berliner Rundfunk erschien ich in Begleitung von zehn West-Kollegen, die fortan zusammen mit mir den redaktionellen Kurs bestimmen sollten. Uns gegenüber saßen 20 Journalisten und Moderatoren aus Ostdeutshland, alles natürlich auch Profis, die meisten hatten an der roten SED-Kaderschmiede für Journalisten in Leipzig studiert. Einmarsch, der Klassenfeind war da… Ich weiß noch, als wir in den Nalepastraße auf den Parkplatz fuhren, zwei im Cabrio, andere mit Ray Ban-Sonnenbrillen auf der Nase. Der arrogante Besserwessi als lebende Karrikatur….

Später erfuhr ich, dass eine der Ost-Kolleginnen vor meinem Dienstantritt meinen Lebenslauf gegoogelt und an ein – ausgerechnet – schwarzes Brett im Sender gehängt hatte. CDU-Mitglied…auch das noch. Nicht wenige waren überzeugt, jetzt als Linker bald seinen Job zu verlieren.

Sechs Monate saßen meine Redakteure in der Kantine mittags streng getrennt an den Tischen – Ossis da, Wessis dort. Bis sich einer der Ost-Kollegen eines Tages einfach so an “unseren Tisch” setzte und damit das Eis brach. Es wurde dann eine wunderbare Zeit für uns alle und der Beweis, dass Ossis und Wessis durchaus miteinander können.

Solche Geschichten hatte natürlich auch Paul-Josef Raue auf Lager, aber ich erzähle sie hier nicht, weil ich glaube, er würde das nicht wollen. Zusammengefasst: Er, der Wessi, hatte es allein nicht leicht in seiner neuen Redaktion, wurde selbst von seinen engsten Mitarbeitern ignoriert und mit ausgesprochener Unfreundlichkeit gestraft. Das eskalierte völlig als sich der Verlag vom bisherigen Chefredakteur Sergej Lochthofen und dessen Ehefrau Antje-Maria – damals stellvertretende Chefredakteurin – wegen Meinungsverschiedenheiten über Stellenabbau und einen zentralen Newsdesk trennte. Redaktion und viele Leser begehrten gegen den Überbringer der schlechten Nachrichten auf. Über all das sprachen wir sehr offen und bestellten noch einen Espresso.

Dann kamen wir zum Eigentlichen. “Sie würden hier absolut reinpassen, wenn Sie sich das selbst antun wollen”, sagte der Chefredakteur. Und weiter “Aber leider sind Sie keine Frau und kommen nicht aus dem Osten…”

Ich werde Paul-Josef Raue und diesen Nachmittag in Erfurt niemals vergessen. Möge er in Frieden ruhen….