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Gegen Impfpflicht: CDU-Politiker Hans-Georg Maaßen.

Maaßen: Corona-Impfpficht unverhältnismäßig

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Gegen Impfpflicht: CDU-Politiker Hans-Georg Maaßen.

Gegen Impfpflicht: CDU-Politiker Hans-Georg Maaßen.

Die CDU kommt nicht zur Ruhe. In wenigen Tagen wird vermutlich der von den Parteimitgliedern gewünschte Friedrich Merz im dritten Anlauf an die Spitze der in langen Merkel-Jahren heruntergewirtschafteten Partei Konrad Adenauers und Helmut Kohls. Doch damit sind die Probleme nicht gelöst. Die Partei-Linksaußen Karin Prien aus Schleswig-Holstein lässt keine Gelegenheit aus, für Streit und Unruhe zu sorgen, zuletzt mit ihren Ausfällen gegen den konservativen Parteifreund Hans-Georg Maaßen aus Thüringen, den Sie aus der Partei ausschließen lassen will. Klaus Kelle sprach mit Hans-Georg Maaßen über die Attacken und die Situation in der Union.

Hans-Georg Maaßen, das CDU-Bundesvorstandsmitglied Prien hat auf Twitter angekündigt, Ihren Parteiausschluss im Vorstand forcieren zu wollen. Hat Frau Prien schon irgendwann mal direkt das Gespräch mit Ihnen gesucht?

Nein, wir sind uns noch nie begegnet, und sie hat nie das Gespräch mit mir gesucht.

Im Bundestagswahlkampf hat dieselbe Frau Prien öffentlich nahegelegt, Ihren SPD-Gegenkandidaten im Wahlkreis 196 zu wählen und nicht Sie, ihren Parteifreund. Wie haben Sie das damals empfunden?

Ich empfand es als parteischädigendes Verhalten.

Verstehen Sie, warum sich diese Frau so an Ihnen verbeißt und Sie unbedingt zur Strecke bringen will?

Nein, das müssen Sie Frau Prien fragen.

Aktuell werfen Frau Prien und ihre Anhänger Ihnen vor, ihre „jüngsten Einlassungen zur Impfung“ seien „ völlig inakzeptabel“. Was haben Sie den Inakzeptables zum Impfen gesagt?

Ich habe ein Video des bekannten Arztes und Mikrobiologen Professor Bhakdi, emerierter Professor an der Uni Mainz, über einen Kurznachrichtendienst geteilt. In diesem Video erläutert er auf verständliche, teils auch emotionale Weise seine erheblichen Bedenken gegen die Verimpfung der neuen mRNA-Impfstoffe. Vor allem hat er Sorgen, dass bei einer Impfung von Kindern mit diesem Impfstoff die Nebenwirkungen erheblich sein können. Er ist nicht der einzige Wissenschaftler, der sich dazu äußert. Ich kann als medizinischer Laie zwar nicht beurteilen, ob diese Bedenken begründet sind, aber ich bin der Meinung, dass die Politik diese Bedenken hören und sich mit den Argumenten auseinandersetzen muss.

Sollten die Leute sich impfen lassen?

Das kann ich nicht beurteilen, weil ich kein Arzt bin.

Ich bin der Meinung, dass diese Frage jeder für sich selbst und nach Konsultation eines Arztes, der die individuelle Krankengeschichte am besten kennt, beantworten muss. Ich halte die Aussage von manchen Politikern und Medien, eine Impfung mit einem mRNA-Impfstoff sei nur „ein Pieks“ für gefährlich, weil der Impfstoff unbestritten erhebliche Nebenwirkungen haben kann. Eine Impfpflicht halte ich für nicht verhältnismäßig.

Prien wirft Ihnen vor, dass sie dieses Video von Professor Bhakdi, früher Leiter des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene an der Mainzer Johannes-Gutenberg-Universität, verbreitet hätten, in dem der ein Stopp der Corona-Impfungen fordert. Und ein Antisemit sei Bhakdi auch. Wie sehen Sie diese Vorwürfe?

Ich denke, es ist das Recht und vielleicht auch die Pflicht eines Arztes und Wissenschaftlers auf die aus seiner Sicht bestehenden Nebenwirkungen von Impfstoffen hinzuweisen. Wir können so jemanden nicht mundtot machen, nur weil seine Auffassung der staatlichen Impfkampagne zuwiderläuft. Holocaustüberlebende und -hinterbliebene hatten sich in einem offenen Brief schützend vor Professor Bhakdi gestellt. Der Rabbiner und Holocaust-Überlebende William Handler, der heute in New York lebt, sagte über die Antisemitismusvorwürfe gegen Bhakdi: „Bitte hören Sie auf, diesen guten Mann anzugreifen, der sicherlich kein Antisemit ist.“

Die deutsche Gesellschaft ist so gespalten, wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Wo soll das alles enden? Bei mehr staatlichem Zwang? Bei Einsicht der Regierung oder der Demonstranten? Oder in einer Unversöhnlichkeit auf Dauer in der Bevölkerung?

Die Politiker sind Diener des Volkes. Es ist ihre Aufgabe, das Volk zusammenzuführen und Gräben zu überwinden. Ich habe den Eindruck, dass Politik und Medien in den zurückliegenden zwei Jahren genau das Gegenteil gemacht haben. Herr Scholz ist offensichtlich sehr schnell nach seiner Wahl zum Bundeskanzler in einer Parallelwelt angekommen, in der er nicht wahrnimmt, dass unsere Gesellschaft tief gespalten ist und dass sehr viele ganz normale Staatsbürger sich Sorgen um ihre Zukunft und die Zukunft Deutschlands machen, die eine andere Politik einfordern. Es schadet massiv unserer Demokratie, wenn man jeden, der nicht der Mainstreammeinung folgt, als Nazi, Verschwörungstheretiker oder Spinner diffamiert. Menschen zu diffamieren und zu diskreditieren, um nicht über deren Argumente diskutieren zu müssen, ist zutiefst demokratiefeindlich.

In wenigen Tagen wird ein Bundesparteitag den Sauerländer Friedrich Merz im dritten Anlauf wohl zum Vorsitzenden wählen, nachdem die Basis erstmals befragt wurde und mit über 60 Prozent Zustimmung für Merz demonstrierte. Aber viele der alten Günstlinge der Merkel-Jahre stehen wieder zur Wahl, also die gleichen Leute, die die CDU in die schlimmste Krise ihrer Geschichte geführt haben. Kann das gut gehen?

Sicherlich werden die Personen, die die bisherige Politik der CDU und die desaströsen Wahlergebnisse mittrugen oder mitverschuldet haben, einer Erneuerung und Reform der Partei im Wege stehen.

Das Gespräch führte Klaus Kelle.

Bildquellen

  • Hans-Georg Maaßen_Suhl: thueringenjetzt

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